Theorie: Rational Choice Theory

Theorie: Rational Choice Erklärung

Es hat lange gedauert, ehe wir uns dazu entschlossen haben, einen frühen Beitrag, den wir im Jahre 1997 verfasst haben, wieder aufzulegen. Der Beitrag setzt sich mit dem Problem der Formulierung von Brückenhypothesen auseinander, ein Problem, das eine recht heftige Diskussion unter denen, die einen Rational-Choice Ansatz zur Erklärung sozialer Phänomene verfolgen, ausgelöst hat. Der Beitrag ist in einen Vortrag auf dem Kongreß der Interntional Sociological Association (ISA) in Montréal gemündet. Wie die derzeitigen Diskussionden darüber zeigt, wie bzw. auf wie vielen Ebenen man Erklärungen sozialer Phänomene ansiedeln muss, ist der Beitrag aktuell wie eh und je.

“Die Gewinnung von Brückenhypothesen und der Streit um die nomothetische versus idiographische Methode”.

Zusammenfassung:

Brückenhypothesen spielen eine zentrale Rolle in rational-choice Erklärungen, weil sie die Bedingungen formulieren, unter denen ein explanandum durch die Gesetze der rational-choice Theorie erklärt werden kann. Insofern sind Brückenhypothesen bei gegebenem explanandum die einzige Falsifizierungsmöglichkeit von rational-choice Modellen zur Erklärung kollektiver Phänomene auf der Basis menschlichen Handelns. Die Frage, wie man Brückenhypothesen gewinnt, ist zwischen Vertretern der rational-choice Theorie umstritten: den Verfechtern der idiographischen Methode stehen die Verfechter der nomothetischen Methode gegenüber. Im Rahmen des vorliegenden Artikels wird gezeigt, daß die idiographische Methode zur Gewinnung von Brückenhypothesen mit drei Problemen verbunden ist, die sie letztlich zum Scheitern bringt: (1) Erklärungen, die idiographisch gewonnene Brückenhypothesen beinhalten, sind nicht falsifizierbar; (2) die Formulierung von allgemeine(re)n Brückenhypothesen, die über den idiosynkratischen Entdeckungszusammenhang hinausweisen, ist – aufgrund der induktiven Vorgehensweise – nicht möglich und (3) der Versuch, Brückenhypothesen durch die Erfragung “wahrer Präferenzen” zu formulieren, ist in mehrfacher Hinsicht problematisch und resultiert unausweichlich in einer impliziten Festschreibung der Konstruktion von “Wirklichkeit”, die der jeweilige Forscher vornimmt.

Die Schwierigkeiten, die die idiographische Methode scheitern lassen, sind mit der nomothetischen Methode zu umgehen bzw. zu lösen: Im Gegensatz zur induktiven Vorgehensweise der Vertreter der idiographischen Methode steht bei Vertretern der nomothetischen Methode die Formulierung von Brückenhypothesen als “mutige Antizipation”, aus der Aussagen über die “Wirklichkeit” deduziert, an der “Wirklichkeit” geprüft und an der “Wirklichkeit” falsifiziert werden können, am Anfang. Nomothetische Erklärungsmodelle sind somit explizite Konstruktionen von “Wirklichkeit”, die an der “Wirklichkeit” überprüft werden können: Auf diese Weise ist es möglich, Gemeinsamkeiten zwischen “fremden Kulturen” zu finden und Unterschiede zwischen verschiedenen (Sub-)Kulturen durch Unterschiede in den Bedingungen für rationales Handeln der Akteure zu erklären anstatt sie als wesenhafte Unterschiede zwischen den (Sub-)Kulturen aufzufassen, wie dies Vertreter der idiographischen Methode zu tun gezwungen sind.

Und hier gibt es den kompletten Text:

Die Gewinnung von Brückenhypothesen und der Streit um die nomothetische versus idiographische Methode